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Projekt aus Hannover zeigt: Auch bei Menschen mit Bronchiektasen (ohne Mukoviszidose) kann eine eingeschränkte CFTR-Funktion vorliegen

Grafik: CFTR-Kontinuum: Ein Dreieck: Oben links steht "Gesunder Mensch", eine Linie verläuft nach rechts unten, wo CF steht. Auch Genträger können CF-ähnliche Symptome haben.
Bronchiektasen sind krankhafte Aussackungen der Atemwege (Bronchien) und können bei Mukoviszidose, aber auch bei anderen Krankheitsbildern, auftreten. Oft ist die Ursache der Bronchiektasen jedoch unbekannt. In vielen Fällen konnten Forschende aus Hannover nun eine eingeschränkte CFTR-Funktion feststellen. CFTR ist ein Salzkanal und ein verändertes CFTR-Gen führt zu Mukoviszidose. Die CFTR-Funktion bei Bronchiektasen ist nicht so stark eingeschränkt wie bei der Mukoviszidose, aber auch nicht so gut wie bei gesunden Menschen. Damit ist beim Vorliegen von Bronchiektasen ohne klare Ursache nun auch eine CFTR-abhängige Krankheit denkbar. Meist müssen aber weitere Faktoren hinzukommen, damit Bronchiektasen auftreten.
Grafik: CFTR-Kontinuum: Ein Dreieck: Oben links steht "Gesunder Mensch", eine Linie verläuft nach rechts unten, wo CF steht. Auch Genträger können CF-ähnliche Symptome haben.

In der Vergangenheit wurde klar unterschieden zwischen Mukoviszidose (Cystische Fibrose, CF) und sogenannten Non-CF Bronchiektasen-Erkrankungen. Bronchiektasen sind dauerhafte Ausweitungen der Bronchien und oft mit Lungeninfekten verknüpft. Bronchiektasen können unterschiedliche Ursachen haben, z.B. angeborene Erkrankungen wie die PCD (Primäre Ciliäre Dyskinesie) oder Alpha-1-Antitrypsinmangel. Sie können aber auch im Laufe des Lebens erst entstehen, z.B. durch Lungenentzündungen. Auch bei Mukoviszidose treten Bronchiektasen auf. Daten aus dem Europäischen Bronchiektasen-Register EMBARC zeigen, dass für 38% der dokumentierten Bronchiektasen jedoch keine Ursache bekannt ist. Solche Fälle nennt man „idiopathische“ Bronchiektasen.  

Was wollten die Forschenden in dem Projekt wissen?

Einige Menschen mit „idiopathischen“ Bronchiektasen zeigen Symptome, wie sie auch für Menschen mit Mukoviszidose typisch sind. Teilweise wurden bei einer weitergehenden Diagnostik dann auch CFTR-Mutationen gefunden, was dafürspricht, dass ein Teil der Menschen mit „idiopathischen“ Bronchiektasen zumindest CFTR-Genträger sein könnten. Die Forscher wollten nun untersuchen, ob Menschen mit „idiopathischen“ Bronchiektasen und CF-typischen Symptomen eine eingeschränkte CFTR-Funktion zeigen. 

Was haben die Forschenden gemacht?

Die Forschenden nutzten eine Methode der CFTR-Funktionsdiagnostik, die nasale Potentialdifferenzmessung (nPD). Mit der nPD kann man herausfinden, wie gut der CFTR-Kanal funktioniert. Der Defekt im CFTR-Kanal ist die Ursache für die Erkrankung Mukoviszidose, je schlechter der CFTR-Kanal funktioniert, desto mehr Symptome treten auf. Daher spricht man auch von einem CFTR-Kontinuum: Auch der Schweißtest, der zur Diagnose der Mukoviszidose genutzt wird, ist eine Methode zur Bestimmung der CFTR-Funktion. Die nPD ist aber eine direktere Messung. Damit untersuchten die Forschenden vier Gruppen: Gesunde, Menschen mit CF, Menschen mit idiopathischen Bronchiektasen und Menschen mit idiopathischen Bronchiektasen, die zusätzlich CF-typische Symptome hatten. Dabei nahmen sie an, dass es einen Unterschied in der CFTR-Funktion geben müsse, je nachdem ob CF-Symptome auftreten oder nicht.   

Was ist bei dem Projekt herausgekommen?

Unerwarteterweise ergaben die nPD-Messungen, dass unabhängig von CF-Symptomen in der Gruppe der Menschen mit idiopathischen Bronchiektasen eine eingeschränkte CFTR-Funktion auftrat. Dabei konnte man die verschiedenen Gruppen klar an den Werten unterscheiden. Die Werte von Menschen mit Bronchiektasen lagen zwischen denen von Gesunden und Menschen mit Mukoviszidose und Pankreasinsuffizienz (Bauchspeicheldrüsenschwäche). 

Was bedeutet das konkret?

Offenbar liegt bei Bronchiektasen ohne klare andere Ursache oft eine Einschränkung der CFTR-Funktion vor. Zum Teil wurden auch CFTR-Varianten gefunden, ohne dass eine klassische Mukoviszidose diagnostiziert wurde (z. B. bei nur einer CFTR-Variante oder einer CFTR-Variante mit unbekannter klinischer Relevanz). Die Autoren der wissenschaftlichen Publikation des Forschungsprojektes gehen davon aus, dass weitere Faktoren zur eingeschränkten CFTR-Funktion hinzukommen müssen, damit Bronchiektasen auftreten. Trotzdem ist interessant, dass Bronchiektasen-Erkrankungen mit oder ohne Mukoviszidose offenbar Gemeinsamkeiten haben, die nun entdeckt werden. Ob das einen Einfluss auf zukünftige Therapien der beiden Erkrankungen haben könnte, kann man zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen.

Engagement des Mukoviszidose e.V.

Der Mukoviszidose e.V. hat 2010 ein Projekt zur Strukturförderung finanziert (Etablierung von Referenzzentren hinsichtlich Expertise und Kapazität zur Durchführung der funktionellen CFTR-Analytik: nPD, ICM), das u.a. zur Etablierung der nasalen Potentialdifferenzmessung in Hannover genutzt wurde. Diese Methode nutzten die Forschenden nun für die Untersuchungen. 

Link zu weiteren Informationen der CFTR-Funktionsdiagnostik.

Quelle

Tümmler, B., Schulz, A., Minso, R. et al. CFTR activity in nasal potential difference of adults with idiopathic bronchiectasis. Respir Res 27, 160 (2026, englischer Originalartikel)