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„Von Frau zu Frau“: Wenn Redakteure nichts verstanden haben

Falsche Behauptung zur Vererbung von Mukoviszidose in der Zeitschrift „Von Frau zu Frau“
Vererbung / Erbgang bei Mukoviszidose: Beide Eltern tragen ein mutiertes CFTR-Gen (orange), das sie an ihre Nachkommen weitergeben können. Bekommt das Kind von beiden Elternteilen das mutierte Gen, hat es Mukoviszidose (links).

Vererbung / Erbgang bei Mukoviszidose: Beide Eltern tragen ein mutiertes CFTR-Gen (orange), das sie an ihre Nachkommen weitergeben können. Bekommt das Kind von beiden Elternteilen das mutierte Gen, hat es Mukoviszidose (links).

Wir wenden uns ausdrücklich gegen die abwegige und unsinnige Aussage „Mukoviszidose ist eine häufige Folgekrankheit bei Kindern, die durch Inzest entstehen.“, die die Zeitschrift „Von Frau zu Frau“ in ihrer Ausgabe 01/2020 veröffentlicht hat. In dem Artikel „Warum sind Inzest-Kinder so oft krank“ erweckt die oben zitierte Bildunterschrift den falschen Eindruck, die Erbkrankheit Mukoviszidose würde v.a. durch Inzest entstehen.

Vererbung der Mukoviszidose

Um diese irreführende Aussage zu korrigieren, erläutern wir im Folgenden noch einmal den genetischen Entstehungsweg der Erkrankung: Mukoviszidose wird durch eine Veränderung im Mukoviszidose-Gen, dem CFTR-Gen, verursacht, das auf Chromosom Nummer sieben lokalisiert ist. Der Mensch hat, abgesehen vom Geschlechts-Chromosom, jedes Gen zweimal in seinem Erbgut (auf zwei sogenannten Genorten: „Allelen“). Wenn das CFTR-Gen auf einem Allel von einer Mutation betroffen ist, kann das Gen auf dem zweiten Allel den Defekt ausgleichen. In diesem Fall gilt man als Merkmalsträger und kann das Gen zwar vererben, man selbst erkrankt aber nicht an Mukoviszidose.

Mukoviszidose tritt als Krankheit nur auf, wenn bei einem Menschen beide Allele des CFTR-Gens verändert sind. Wenn ein Elternpaar ein Mukoviszidose-krankes Kind bekommt, kann man davon ausgehen, dass beide Eltern Träger eines mutierten CFTR-Gens sind. Mutter und Vater geben nach dem Zufallsprinzip jeweils eines ihrer beiden CFTR-Gene an das Kind weiter. Sind beide Eltern Merkmalsträger, das heißt sie sind selber gesund, tragen aber jeweils ein mutiertes Gen in sich, kann es mit einer statistischen Wahrscheinlichkeit von 25% passieren, dass das Kind von jedem Elternteil das mutierte Gen erhält und somit Mukoviszidose hat.

Bei der Mukoviszidose gibt es grob geschätzt drei bis vier Millionen gesunde und meist nichtsahnende Merkmalsträger in Deutschland, so dass weit über 99% aller Kinder mit Mukoviszidose NICHT aus einer nahen Blutsverwandtschaft der Eltern hervorgehen.

Der Mukoviszidose e.V. wird die Verlagsleitung der Zeitschrift „Von Frau zu Frau“ anschreiben und um eine Richtigstellung bitten.


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