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Bekämpfung von Lungen-Keimen auch im Modulatoren-Zeitalter wichtiges Thema

Registerdaten zeigen, dass die Keimbelastung mit Pseudomonas aeruginosa nach Beginn einer Modulatorentherapie zunächst abnimmt. Häufig scheint es aber nach einer gewissen Zeit zu einem „Rebound-Effekt“ zu kommen: Die Keime sind wieder da. Ob das daran liegt, dass man den Pseudomonas wegen weniger Sputum erst einmal nicht mehr wiederfindet, obwohl er noch da ist oder ob er tatsächlich verschwindet, dann aber wieder auftritt, ist derzeit noch Gegenstand von wissenschaftlicher Forschung. Auch ob sich der Effekt bei allen Patienten und allen neuen Modulatoren gleichermaßen zeigt, ist noch offen. Deshalb kommt der Therapie von Lungeninfektionen nach wie vor eine hohe Bedeutung zu. Insbesondere auch für schwierige, multiresistente Keime braucht man neue Therapieoptionen. Jane Davies (London) stellte einige davon auf der Nordamerikanischen CF-Konferenz vor. 
Petrischale mit Keimen (stilisiert): Mukoviszidose-Betroffene sind anfällig für Infektionen mit Bakterien, Viren oder Pilzen.

Gallium (i.v.) und AR-501 (Panaecin) gegen Pseudomonas und NTM

Gallium stört den Eisenstoffwechsel von Pseudomonas (Eisenaufnahme wird gehemmt). Es ist in den USA für andere Indikationen zugelassen (Hyperkalzämie, eine Störung des Kalzium- und Phosphatstoffwechsels) und es gibt Daten aus dem Labor (in vitro und Mausmodelle), die zeigen, dass die Substanz effektiv gegen Pseudomonas wirkt. Auch gegen Biofilme und multiresistente Keime war Gallium in diesen Versuchen wirksam. Die klinische Entwicklung ist bereits in Phase 2. Ergebnisse der IGNITE Studie zeigen, dass eine fünftägige Gallium-Infusion sicher und wirksam ist. Allerdings war die Wirksamkeit nicht so eindeutig, weil der Effekt gegenüber einem Scheinpräparat (Plazebo) zwar innerhalb der ersten zwei Wochen erkennbar war, nach 28 Tagen jedoch nicht mehr. Die ABATE Studie untersucht die Wirksamkeit von zwei fünftägigen Gallium-Infusionen gegen Mykobakterien (NTM). Leider liegen die Ergebnisse dieser Studie noch nicht vor. 

Bakteriophagen 

Zwei Ansätze werden derzeit in klinischen Phase 2 Studien untersucht: BX004-A von BiomX und AP-PA02 von ARMATA Pharmaceuticals. In Fallberichten konnten Bakteriophagen bereit wirksam und sicher eingesetzt werden. Systematischere Daten an größeren Patientengruppen werden aber dringend benötigt. 

Inhalatives NO

Stickstoffmonoxid (NO) wirkt mukolytisch auf Biofilme bei Pseudomonas, B. multivorans und NTM, wie bereits in Pilotstudien gezeigt werden konnte. Derzeit laufen zwei Entwicklungsprogramme: Lungfit von BeyondAir und Thiolanox von Novoteris in Phase2. Die bisherigen Ansätze sind aber leider umständlich für Menschen mit Mukoviszidose und teuer – deshalb werden auch andere Verabreichungsformen erforscht (z.B. NO-Donor).

Adjuvantien wie Cysteamin NM001 von Nova Biotics und Murepavadin

Cysteamin wirkt antientzündlich, mukolytisch und kann die Wirkung von Antibiotika verstärken. In (frühen) Studien wird es als orales Adjuvans, also als Zusatz zu einer Antibiotikatherapie, bei Exazerbationen untersucht. Geplant sind für 2022 die CARE-CF Studie in Phase 2/3 und die PreVent Studie in Phase 1/2a, bei der eine inhalative Anwendung getestet werden soll. Ein anderes Adjuvans ist Murepavadin. Diese Substanz zielt auf Bakterienmembranen und unterstützt so die Antibiotika-Wirkung von z.B. Colistin

Insbesondere in der präklinischen Forschung gibt es noch viele weitere Ansätze. So wurde z.B. in Großbritannien das CF Syndicate in Antimicrobial resistance gegründet. 

Dieser Bericht ist Teil unserer Zusammenfassungen der Ergebnisse der Nordamerikanischen CF-Konferenz und der Deutschen Mukoviszidose Tagung (DMT), die im November digital stattfanden.
 


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