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Kaftrio bei Kindern ab sechs Jahren

Mitte November hat die EMA die Zulassungserweiterung von Kaftrio (Elexcaftor/Tezacaftor/Ivacaftor plus Ivacaftor) für Kinder ab sechs Jahren empfohlen. Die Bestätigung durch die EU-Kommission wird für Anfang 2022 erwartet. Entsprechend wird Kaftrio in Kürze in Deutschland auch für diese Altersgruppe zur Verfügung stehen. In Deutschland darf ein neues Medikament nach der Zulassung verordnet werden und wird von den Krankenkassen erstattet, was selbst in unseren direkten Nachbarländern nicht selbstverständlich ist. Dieser Bericht ist Teil unserer Zusammenfassungen der Ergebnisse der Nordamerikanischen CF-Konferenz und der Deutschen Mukoviszidose Tagung (DMT), die im November digital stattfanden. 
Die digitale Tagungsplattform der Deutschen Mukoviszidose Tagung 2021 war sehr gut besucht. Foto: Mukoviszidose e.V.

Die digitale Tagungsplattform der Deutschen Mukoviszidose Tagung 2021 war sehr gut besucht. Foto: Mukoviszidose e.V.

Erste Daten aus kontrollierter klinischer Studie zu Kaftrio bei Kindern

Auf der Deutschen Mukoviszidose Tagung zeigte Prof. Marcus Mall (Berlin) zum ersten Mal Daten aus einer Studie, die – wie er sagte – in die o.g. EMA Entscheidung mit eingeflossen sind. Es handelt sich um eine randomisierte, placebo-kontrollierte Studie (RCT) über 24 Wochen mit Kindern ab sechs Jahren und mit einer F508del-Mutation in Kombination mit einer Minimalfunktionsmutation, die mit Kaftrio behandelt wurden. Eine RCT wird unter den Studien als die höchste Qualitätsstufe mit der besten Aussagekraft angesehen und einige Behörden erkennen nur solche Studien an. 121 Kinder haben bei der Studie mitgemacht – die eine Hälfte erhielt Kaftrio, die andere ein wirkungsloses Scheinmedikament (Placebo) zum Vergleich. Im Gegensatz zu den Studien mit älteren Kindern und erwachsenen Patienten war der Gesundheitszustand zu Beginn der Studie bereits sehr gut. Die teilnehmenden Kinder hatten eine Lungenfunktion im Normbereich und sehr gute Werte im CFQ-R Fragebogen zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität. 

Beispiellose Verbesserung des Lungenfunktionswertes LCI

Beim Lungenfunktionswert LCI kam es nach etwa zwei Wochen zu einer schnellen und anhaltenden Verbesserung von im Mittel 2,3 Punkten. Der Schweißchloridwert verringerte sich von einem Ausgangswert um die 102 mmol/l im Vergleich zur Placebogruppe um 51 mmol/l, was ein Anhaltspunkt für die verbesserte CFTR-Kanalaktivität ist. Auch der Lungenfunktionswert FEV1 und der CFQ-R Fragebogen zeigten klare Verbesserungen von 11% und 5,5 Punkten. Die meisten unerwünschten Ereignisse waren leicht bis moderat. Es kam nach der Kaftrio-Einnahme etwas häufiger zu Kopfschmerzen, Ausschlag und erhöhten Leberwerten, dafür aber seltener zu Husten und pulmonalen Exazerbationen (akute Verschlechterungen der Lungenerkrankung). Ein Kind musste wegen starken Hautausschlags die Studie abbrechen. Damit haben sich auch in dieser Studie die bereits bekannten Nebenwirkungen von Kaftrio auch für die jüngeren Kinder bestätigt. Die Verbesserung des LCI-Wertes wurde von Prof. Mall als im Vergleich mit bisherigen Studien beispiellos bezeichnet und er verknüpfte mit den Daten die Hoffnung auf einen wahrscheinlich erheblichen Langzeit-Benefit in dieser Altersgruppe. 

Verbesserungen bleiben auch nach weiteren 24 Wochen erhalten 

Prof. Felix Ratjen (Toronto) präsentierte in seinem Vortrag erste Langzeitdaten für die Behandlung von Kindern mit Kaftrio. Er stellte eine Verlängerungsstudie der initialen 24-wöchigen Studie vor, die in den USA und Kanada zur dortigen Zulassung geführt hat. 64 Kinder zwischen sechs und elf Jahren (entweder mit zwei F508del-Mutationen oder einer F508del-Mutation in Kombination mit einer Minimalfunktionsmutation) werden in dieser Langzeitstudie über zweimal 96 Wochen weiter untersucht. Bisher liegen allerdings nur die Daten einer Zwischenauswertung nach 24 Wochen vor. 
In der initialen Studie hatte es eine Verbesserung der Lungenfunktion um 10,2% FEV1 (LCI 1,6) gegeben, die in der Verlängerung nach weiteren 24 Wochen mehr oder weniger erhalten blieb (FEV1=9,5%; LCI=1,9). Ob sich daraus später ein Abfall der Lungenfunktion ergeben wird, muss man weiter beobachten. Der Schweißchloridwert reduzierte sich um 60,9 mmol/l und blieb nach den weiteren 24 Wochen der Verlängerungsstudie stabil bei -64,7. Die Werte im CFQ-R verbesserten sich sogar weiter. Die Gewichtsentwicklung scheint nach den von Prof. Ratjen gezeigten Daten stabil. 

Bisher keine neuen Nebenwirkungen in der Langzeitstudie mit Kaftrio

In der Langzeitstudie bei Kindern zeigt sich ein ähnliches Nebenwirkungsspektrum wie bei älteren Patienten. Es traten auch keine bisher unbekannten neuen Nebenwirkungen auf. Es gab einen Fall von Hypertonie (Bluthochdruck), der zu einer Unterbrechung der Therapie mit Kaftrio führte. Außerdem zeigte auch diese Studie wieder erhöhte Leberwerte. Die klinische Relevanz einzuordnen, ist aber schwierig, da auch im Spontanverlauf erhöhte Leberwerte auftreten können. 


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