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European Young Investigator Meeting 2019 (EYIM): Mukoviszidose Forschung führt Nachwuchswissenschaftler an das Institut Pasteur in Paris

Insgesamt wurden 39 junge Forscher aus Frankreich, Italien, Belgien, UK, USA und Deutschland eingeladen, ihre Forschungsarbeiten vorzustellen. Für viele ist es der erste „eigene Auftritt“ als Redner und der erste Schritt, ein eigenes wissenschaftliches Netzwerk zu bilden. Etablierte Mukoviszidose-Ärzte und Forscher moderieren die Veranstaltung. Die Organisatoren der Veranstaltung, Patientenorganisationen aus Frankreich, den Niederlanden, Belgien, Italien und Deutschland, bieten mit dem EYIM nun schon nun seit 13 Jahren eine sehr gut funktionierende Plattform, gleichermaßen für junge und etablierte Forscher.

Aus Deutschland waren in diesem Jahr sechs Nachwuchswissenschaftler dabei. Sebastien Boutin aus Heidelberg berichtete über die Veränderung der mikrobiellen Besiedelung der Lunge im Verlauf der Zeit. Eine gesunde Lunge ist in der Regel von einem wechselndem relativ breiten Keimspektrum besiedelt, und im Verlauf der Erkrankung tritt ein Pathogen, oft Pseudomonas aeruginosa, in den Vordergrund und verdrängt andere, „gute“ Bakterien. Die AG bearbeitet derzeit ein Forschungsprojekt, welches durch den Mukoviszidose e.V. gefördert wird, und in dem in den nächsten Monaten genauer untersucht werden soll, welche Bakterien die Lunge schützen und wie Pseudomonas das „gesunde“ dynamische Keimspektrum der Lunge zurückdrängt.

Dario Frey, ebenfalls aus Heidelberg, stellte Ergebnisse aus einem vom Mukoviszidose e.V. geförderten Projekt vor. In Sputum-Proben wurde die Konzentration von verschiedenen Proteasen (Enzyme, die im Zusammenhang mit Entzündungen auftreten und Gewebe schädigen) gemessen. Die Ergebnisse können nun für anti-entzündliche Therapien und auch diagnostisch zur Kontrolle des Entzündungsgeschehens nutzbar gemacht werden. Anurag Singh aus Tübingen untersucht im Labor die Reaktion von Lungenepithelzellen auf Kontakt mit Pilzen, wie Aspergillus fumigatus. Seine Daten deuten darauf hin, dass in CF-Zellen, die Detektion von Aspergillus fumigatus durch einen bestimmten Rezeptor fehlerhaft sein könnte. Weitere Untersuchungen an Gewebeproben von Mukoviszidose-Patienten sollen nun die Laborergebnisse ergänzen.

Anna Katharina Kolonko aus Münster arbeitet an der Entwicklung einer Gentherapie, wobei bei ihrem Ansatz der CFTR-Gegenspieler ENaC inhibiert werden soll. Mit Chitosan als Genträger und einem gegen ENaC gerichteten „Anti-sense Oligonukleotid“ ist es in ersten Versuchen im Labor in Modellzelllinien gelungen, ENaC zu hemmen. Weitere präklinische Untersuchungen sind notwendig, um die Sicherheit und die Wirkung dieses Therapieansatzes zu prüfen.

Liza Vinhoven aus Göttingen berichtet über die CandActCFTR-Datenbank. Von diesem Projekt können alle interessierten Mukoviszidose-Forscher profitieren. In der kuratierten Datenbank „CandActCFTR“ sind bislang über 3.000 CFTR-relevante Substanzen aus 84 verschiedenen Publikationen zusammengestellt und mit Chemie-Datenbanken verknüpft worden. Suchfunktionen führen zu übersichtlichen Informationen hinsichtlich der Substanz und der CFTR-relevanten Wirkung. Der in CandActCFTR zusammengefügte Datensatz ist für die CF-Community sicherlich sehr interessant und kann kostenlos für Abfragen genutzt werden, aber auch Ergänzungen durch eigene Datensätze (z. B. aus Substanz-Screenings) sind möglich und erwünscht.

Mark-Christian Jaboreck aus Hannover bearbeitet eine sehr aktuelle Fragestellung: Es gibt mit TMEM16A einen alternativen Chloridkanal, von dem man hoffte, er könne durch Aktivierung die Transportfunktion des defekten CFTR-Kanals übernehmen. Die Forscher sind jedoch uneins, TMEM16A könnte auch in die Schleimfreisetzung involviert sein, so dass eine Aktivierung sogar zu mehr festem Schleim in der Lunge führen könnte. In einem vom Mukoviszidose e.V. geförderten Projekt arbeitet die AG aus Hannover nun daran, diese grundlegende Frage zu klären. Dafür werden induzierte pluripotente Stammzellen (iPS) von Gesunden und von Mukoviszidose-Patienten im Labor so verändert, dass TMEM16A vorhanden ist, fehlt oder auch überaktiv ist. Diese Zellen werden helfen, die Rolle von TMEM16A bei Mukoviszidose zu klären. Der Vortrag und auch die gezeigten Daten wurden sehr gut von den Moderatoren der Veranstaltung bewertet, so dass Mark-Christian Jaboreck mit einem Preis für den besten Vortrag ausgezeichnet wurde. Diesen muss er allerdings mit Senne Cuyx (Leuven, Belgien), teilen, der ebenfalls einen sehr schönen Vortrag gehalten hat. Er arbeitet an Organoiden und hat eine Methode entwickelt, wo anhand des Aussehens (Form und Größe) der Organoide eine diagnostische Aussage abgeleitet werden kann, ob eine Mukoviszidose vorliegt oder nicht. Er kann sich vorstellen, dass diese Methode bei unklaren Diagnosen (Schweißtest im grenzwertigen Bereich, unklarer Mutationsstatus) weiterhelfen kann.

Der Preis für das beste Poster ging an Lucas Treps, ebenfalls aus Leuven. Er hat RNA-Analysen an einzelnen Zellen verschiedener Zellpopulationen (Lungen- und auch Leberzellen, aber auch Abwehrzellen) durchgeführt und möchte über Erkenntnisse der Unterschiede im Zellstoffwechsel verstehen, warum bei Mukoviszidose verschiedene Organe und Gewebe unterschiedlich betroffen sind.  
Die Rückmeldungen der Teilnehmer waren durchweg sehr positiv, so dass hoffentlich auch 2020 wieder viele junge Mukoviszidose Forscher sich für eine Teilnahme bewerben und das EYIM durch eigene Beiträge aus ihrer Forschung aktiv unterstützen.