In Ihrer Beratung kommen Sie mit verschiedenen seltenen Krankheitsbildern, wie z.B. auch der Mukoviszidose (Cystische Fibrose, CF) in Kontakt. Bei CF hat sich die Behandlung und Lebenserwartung in den letzten Jahrzehnten massiv verändert. Im Internet und in älterer Fachliteratur gibt es noch viele veraltete Informationen, die ein falsches Bild der Erkrankung vermitteln. Die Lebenserwartung eines Neugeborenen mit Mukoviszidose liegt heute bei 68 Jahren und mittlerweile sind ca. 60 % der Menschen mit CF erwachsen.

Bei einer chronischen Krankheit wie Mukoviszidose ist die Frage nach der Lebenserwartung oft ein bewegendes und zentrales Thema. Und obwohl jedes Leben und jede Erkrankung ganz individuell verläuft, können die Statistiken aus dem Deutschen Mukoviszidose-Register hier Hinweise geben. Entsprechend der aktuellen Zahlen (2024) liegt die Lebenserwartung eines Neugeborenen mit Mukoviszidose heute bei 68 Jahren.
Von den aktuell rund 7.700 im Register lebend dokumentierten Personen, sind 62% über 18 Jahre. Im Jahr 2000 waren es nur 36%. Das zeigt, dass mittlerweile der überwiegende Anteil der Menschen mit CF das Erwachsenenalter erreicht und Mukoviszidose keine reine Kinderkrankheit mehr ist.
Seit Einführung des deutschlandweiten Neugeborenen-Screenings wird ein Großteil der betroffenen Kinder in den ersten Lebenswochen diagnostiziert, so dass eine Therapie frühzeitig gestartet werden kann, um frühe Organschädigungen zu vermieden und den Krankeitsprogress zu verzögern. Für eine optimale Versorgung ist die Anbindung an ein spezialisiertes Zentrum essenziell (Liste deutscher CF-Ambulanzen).
Ungeachtet des Schocks, den viele Eltern empfinden, wenn ihnen die Diagnose Mukoviszidose erstmals mitgeteilt wird, gibt es gute Gründe, zuversichtlich in die Zukunft zu blicken. Neue Medikamente und verbesserte Therapien schenken Menschen mit Mukoviszidose nicht nur mehr Lebensjahre sondern erhöhen auch die Lebensqualität.
Ist die Therapie gut eingestellt, können Kindergarten und Schule ganz normal besucht werden. Erwachsene mit Mukoviszidose sind meist berufstätig und auch die Gründung einer Familie ist heute keine Seltenheit mehr. Mittlerweile gibt es sogar Menschen mit Mukoviszidose, die bereits Enkelkinder haben. Reisen und Ausflüge, Sport treiben, Musizieren oder andere Hobbys sind möglich und wichtig für ein gutes Gleichgewicht zwischen Lebensqualität und Therapie.
Mukoviszidose ist eine mittlerweile gut behandelbare, aber nicht heilbare Erbkrankheit. Sie wird durch einen defekten Salzkanal, den CFTR-Kanal, verursacht. Infolge des Gendefektes kommt es zu einem Ungleichgewicht im Salz-Wasser-Haushalt der Zelle, wodurch in vielen Organen des Körpers ein zäher Schleim entsteht.
Mukoviszidose wird autosomal-rezessiv vererbt. Wenn beide Elternteile Träger eines veränderten CFTR-Gens sind, besteht für die Nachkommen ein Erkrankungsrisiko von 25%. Merkmalsträger haben in der Regel keine Symptome. Man kann die vielen verschiedenen Mutationen/Varianten des CFTR-Gens in sechs Klassen einteilen (s. Abb.).
Mutationen der Klassen I-III führen in der Regel zu einem fast vollständigen Funktionsverlust des CFTR-Kanals, während bei den Klassen IV, V und VI meist noch eine Restfunktion nachweisbar ist. Einige Klasse I- und Klasse V-Mutationen bewirken, dass das CFTR-Gen gar nicht abgeschrieben wird, d. h. es entsteht keine Genkopie (mRNA), die als Vorlage zur Herstellung des CFTR-Proteins genutzt werden kann.
Übersicht über wichtige CFTR-Mutationen mit Information über die Pathogenität: CFTR2-Datenbank
Vertiefende Informationen finden Sie hier: Ursachen

Neben der symptomatischen Therapie, die in den letzten Jahrzehnten sehr erfolgreich den Krankheitsprogress verlangsamen konnte, gibt es jetzt für den überwiegenden Anteil der Betroffenen mutationsspezifische CFTR-Modulatoren, die direkt in den Zellen an der zugrundeliegenen Problematik ansetzen. Diese Medikamente werden lebenslang täglich als Tabletten (bzw. bei kleinen Kindern als Granulat) eingenommen.
Die Modulatoren haben das Ziel, die Funktion des defekten CFTR-Kanals zu verbessern oder im besten Fall wiederherzustellen, damit der Salz-Wasser-Haushalt wieder im Gleichgewicht ist. Dadurch verflüssigt sich der zähe Schleim und die Organe können normal funktionieren. Manifestierte Organschäden können in der Regel durch die Modulatoren nicht rückgängig gemacht werden.
CFTR-Modulatoren helfen dabei, dass die Kanäle trotz Mutation in die richtige Struktur gebracht werden und besser funktionieren. Dabei können sie aber nur an den fehlerhaften CFTR-Kanälen selbst angreifen. Wenn aufgrund der Mutation gar kein CFTR-Kanal gebildet wird, können die CFTR-Modulatoren auch nicht wirken. Dies ist z.B. beim Vorliegen zweier sogenannter Stoppmutationen der Fall. Deshalb kommt die Therapie mit CFTR-Modulatoren nicht für alle Varianten in Frage. Außerdem sind die verschiedenen Präparate jeweils auch nur für bestimmte Mutationen bzw. Mutationsgruppen zugelassen.
Vertiefende Informationen zur Behandlung finden Sie unter: Therapie



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