Bakteriophagen: Fortschritte und Grenzen
Zu Beginn wurde die von der Frankfurter Arbeitsgruppe federführend erstellte Leitlinie für die Bakteriophagen-Therapie vorgestellt, ergänzt durch erste, durchaus positive klinische Erfahrungen am Universitätsklinikum Frankfurt mit der Anwendung von Bakteriophagen bei chronischer Pseudomonas Infektion. Auch wurde die Einstellung eines großen amerikanischen Entwicklungsprogramms zur Bakteriophagen-Therapie (BiomX-Studie) aufgrund von Nebenwirkungen diskutiert. Kritisch gesehen wurden dabei die Änderungen des Bakteriophagen-Prüfpräparats (erweiterte Phagencocktails, Dosiserhöhung, andere Inhalationssysteme) mit Beginn der Phase-2-Studie.
Ein anderes Problem wurde anhand einer Fallstudie diskutiert: Die Entstehung von Antikörpern oder bereits vorhandene Antikörper gegen verabreichte Phagen können die Wirksamkeit deutlich einschränken und stellen einen wichtigen Faktor für zukünftige Behandlungsstrategien dar. Denn auch gegen Phagen arbeitet das Immunsystem an und das könnte dazu führen, dass dadurch wiederholte Verabreichungen erschwert werden.
Beide Beiträge unterstreichen die weiterhin erheblichen wissenschaftlichen und regulatorischen Herausforderungen dieser Therapieform. Dass die Bakteriophagen-Therapie bei Mukoviszidose jedoch weiter untersucht und entwickelt werden sollte, wird in beiden Vorträgen klar und zeigt sich auch darin, dass sich auf dem ECFS -Kongress erstmalig die neue Bakteriophagen Arbeitsgruppe der Europäischen CF-Gesellschaft getroffen hat, zu der auch Vertreterinnen des Mukoviszidose e.V. eingeladen wurden.
Biofilm-gerichtete und neue antiinfektiöse Ansätze
Ein besonders innovativer Ansatz ist CMTX-101 von Clarametyx Biosciences, USA, ein monoklonaler Antikörper der bakterielle Biofilme - unabhängig vom Erreger – aufbrechen soll. CMTX-101 neutralisiert ein stabilisierendes Protein im Biofilm und führt so zum Zusammenbruch der Biofilmstruktur. In einer frühen klinischen Studie bei Menschen mit chronischer Pseudomonas-aeruginosa-Infektion wurde CMTX-101 intravenös einmalig verabreicht und zeigte eine gute Sicherheit, eine nachweisbare pulmonale Verteilung sowie erste Hinweise auf eine mögliche Reduktion der bakteriellen Last und Entzündung. Eine Weiterentwicklung des Programms ist geplant.
Ein weiterer neuartiger Ansatz stammt von dem israelischen Unternehmen Omnix. Das inhalative antimikrobielle Peptid OMN51 wurde aus einem natürlichen antimikrobiellen Peptid (Capitellacin) entwickelt und soll insbesondere gegen Pseudomonas aeruginosa wirksam sein. Präklinische Daten zeigen eine breite Aktivität gegen gramnegative Erreger, eine geringe Resistenzentwicklung sowie eine stabile Verabreichung über verschiedene Inhalationsgeräte.
Fazit
Insgesamt verdeutlichte das Workshop-Programm, dass sich die Entwicklung antimikrobieller Therapien zunehmend über klassische Antibiotika hinausbewegt. Viele der vorgestellten Ansätze befinden sich noch in frühen Entwicklungsstadien, könnten jedoch langfristig neue Möglichkeiten eröffnen, chronische Infektionen bei Mukoviszidose gezielter und nachhaltiger zu behandeln.
