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Über den Tellerrand hinausschauen - Darm-Mikrobiom, andere Darmerkrankungen und Mukoviszidose

Grafik mit Titel Über den Tellerrand schauen, schematische Darstellung vom Abdomen
Die Lebenserwartung ist bei Mukoviszidose (Cystische Fibrose, CF) deutlich gestiegen, nicht allein durch die Modulatortherapie. Menschen mit CF, vor allem in höherem Alter, sind deshalb inzwischen mit gesundheitlichen Herausforderungen konfrontiert, die auch bei der Allgemeinbevölkerung auftreten, z.B. Krebserkrankungen oder Übergewicht. Manche Erkrankungen sind in vielen Bereichen schon gut erforscht – Zeit, über den Tellerrand hinauszuschauen und die Erkenntnisse in die CF-Versorgung zu integrieren. Das wurde auch auf der diesjährigen europäischen CF-Konferenz in Lissabon viel diskutiert.
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Modulatortherapie bringt für den Darm oft keine Besserung

Die Modulatortherapie hat für viele Menschen mit Mukoviszidose nicht nur die Lungenfunktion verbessert, sondern auch die Situation im Magendarmtrakt verändert, aber längst nicht alle berichten von einer Verbesserung. Manche Studien zeigen beinahe keine Veränderung von Bauchschmerzen, Blähungen, Verstopfung, andere zeigen eine deutliche Verbesserung bei manchen Patienten (z.B. bei Refluxerkrankung, Fettverdauung), aber gar keine Verbesserung bei anderen. Die CF-Erkrankung ist noch individueller geworden. Manche gesundheitlichen Probleme ähneln mehr denen anderer Erkrankungen als den Symptomen anderer CF-Betroffener.

Mikrobiom ist bei CF anders

Bei Menschen mit Mukoviszidose ist der Darm oft dauerhaft leicht entzündet. Gleichzeitig unterscheidet sich die Zusammensetzung der Darmbakterien (das Mikrobiom) deutlich von der bei gesunden Menschen. Dieses Ungleichgewicht wird als Dysbiose bezeichnet. Typisch für CF ist, dass weniger verschiedene Bakterienarten vorhanden sind (reduzierte Diversität), nützliche Bakterien vermindert sind und potenziell schädliche und entzündungsfördernde Bakterien vermehrt auftreten. Die Dysbiose ist die Folge der Darmerkrankung bei CF und ihrer Behandlungen (z. B. Antibiotika, Magensäureblocker oder Abführmittel) und nicht die Ursache der Darmprobleme.

Auswirkungen der Dysbiose

Obwohl die Dysbiose des Mikrobioms wahrscheinlich nicht die Ursache der CF-Darmerkrankung ist, kann sie Entzündungen verstärken, Verdauungsbeschwerden fördern und möglicherweise den Verlauf der Grunderkrankung verschlechtern. Noch nicht ausreichend geklärt ist, welchen Einfluss die oft umfangreiche Medikamenteneinnahme (Polypharmazie) und die Ernährung auf das Mikrobiom haben.

Forschung aus anderen Erkrankungen nutzen

Das menschliche Darm-Mikrobiom ist ein zentrales Forschungsthema bei vielen Erkrankungen, ob chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Übergewicht oder chronische Verstopfung. Die Grunderkrankungen sind zwar in ihrer Entstehung und Ausprägung unterschiedlich, aber teilweise werden ähnliche Medikamente wie bei CF eingenommen, teilweise ist auch die Ernährung oder der Lebensstil der Patienten ähnlich. Ein vielversprechender Ansatz könnte daher sein, die Ergebnisse und Therapieansätze aus anderen Erkrankungen auf die CF zu übertragen. Regelmäßige körperliche Bewegung, keine Zigaretten, wenig Alkohol - das wird bei CF schon lange empfohlen. Aber es gibt auch therapeutische Ansätze, die in Studien bereits ausprobiert werden: Prä-, Pro- und Postbiotika, Phagentherapie und auch die Übertragung von Mikrobiom gesunder Menschen auf andere (Stuhltransplantation). Inwieweit das auf CF übertragbar ist, soll zukünftig mehr in den Fokus der CF-Forschung rücken.

Einfluss der Modulatortherapie auf das Mikrobiom

Modulatoren wie die ETI-Therapie (Elexacaftor/Tezacaftor/Ivacaftor) können das Mikrobiom teilweise in Richtung eines gesünderen Zustands verändern. Allerdings bleiben auch nach jahrelanger Behandlung deutliche Unterschiede zu gesunden Menschen bestehen. In einigen Studien wurden weniger Entzündungszeichen im Darm gemessen oder eine Veränderung der Bakterienvielfalt gesehen, aber insgesamt scheint die Modulatortherapie nur geringe Veränderungen des Mikrobioms zu verursachen und die Reaktionen sind von Patient zu Patient sehr unterschiedlich. Eine australische Studie zeigte jetzt auch, dass sich das Mikrobiom ein Jahr nach Beginn der ETI-Therapie oft nur wenig verändert und dass selbst eine Verbesserung der Entzündung nicht automatisch zu einem normalen Mikrobiom führt. Umgekehrt kann eine anhaltende Entzündung die Dysbiose weiter verstärken.

Darmkrebsrisiko ist bei CF erhöht

Erkenntnisse aus anderen Erkrankungen können auch zeigen, dass bei CF eine andere Herangehensweise sinnvoll ist. Beim Screening auf Darmkrebs (Kolonkarzinom) beispielsweise fällt auf, dass manche in der Allgemeinbevölkerung gültigen Warnzeichen bei CF nicht gut anwendbar sind. Gewichtsverlust und eine veränderte Verdauung sind in der Allgemeinbevölkerung oft erste Hinweise auf ein Kolonkarzinom, können aber bei CF auch mit der Grunderkrankung zusammenhängen und sind deshalb schwierig zu interpretieren. Für andere Warnzeichen wie Blut im Stuhl ist bei CF noch nicht geklärt, wie dies mit dem Risiko für ein Kolonkarzinom zusammenhängt. Das Auftreten von Blutarmut (Anämie), die durch Eisenverlust entsteht, ist bei CF auch ohne Kolonkarzinom nicht sehr selten. Der FIT-Immuntest (Fecal Immunochemistry Test), wie er als Screening-Instrument auch für die Allgemeinbevölkerung genutzt wird, ist bei CF noch nicht ausreichend untersucht.

Frühes Screening ist wichtig

Daher ist es wichtig, dass ein CF-Team auch das regelmäßige Darmkrebsscreening mit einer Darmspiegelung (Koloskopie) anregt, das bei CF bereits ab dem 40. Lebensjahr beginnen sollte (nach Transplantation noch früher). Die Koloskopie wird allerdings laut einer britischen Studie von Patienten nicht unbedingt gut angenommen. Die Befragungen haben gezeigt, dass bei vielen auch das Bewusstsein für ein erhöhtes Darmkrebsrisiko eher gering ist. Eine frühe Aufklärung durch das CF-Team wäre hier wünschenswert.

Weiterführende Literatur

  • Hitch TCA, et al. Microbiome-based interventions to modulate gut ecology and the immune system. Mucosal Immunol 2022 Jun;15(6):1095-1113. doi: 10.1038/s41385-022-00564-1 (open access)
  • Hadjiliadis D, et al. Cystic Fibrosis Colorectal Cancer Screening Consensus Recommendations. Gastroenterology. 2018 Feb;154(3):736-745.e14. doi: 10.1053/j.gastro.2017.12.012.