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ECFC 2021: Register-Auswertungen geben Antworten auf klinische Fragen

Weltweit sind über 80.000 CF-Betroffene in Mukoviszidose-Registern erfasst. Die meisten dieser Register können auf Datensammlungen von 20 und mehr Jahren zugreifen. Registerauswertungen zu verschiedenen Themen gehören schon seit Jahren zu dem ECFS-Kongress, die statistischen Methoden und Kniffe ermöglichen immer mehr Aussagen aus den Daten.

Real World Data: wichtig für Langzeiteffekte und späte Nebenwirkungen

Wirkungen und Nebenwirkungen von Therapien werden oft erst durch große Datensätze sichtbar. Klinische Studien decken selten lange Zeiträume ab (meist nur Wochen oder Monate) und werden meist nur an bestimmten Patientengruppen gemacht. Die Mukoviszidose-Register sind daher von großem Wert zur Prüfung von Therapien im normalen Leben, d. h. außerhalb des klinischen Studien-Settings. Man spricht dann von „Real World Data“ (RWD). Ivacaftor ist schon seit 2012 zugelassen und bietet bislang den längsten Zeitraum für Registerauswertungen nach Einführung eines CFTR-Modulators. Untersuchungen aus dem englischen Mukoviszidose-Register zeigen, dass die Rate der Schwangerschaften bei Patientinnen nach Einführung der Ivacaftor-Therapie enorm gestiegen ist. Ähnliche Daten zeigte vorher schon das amerikanische Register.

Auch können Registerdaten helfen, die Entstehung von Sekundärerkrankungen zu beobachten. Eine Auswertung aus dem französischen Mukoviszidose-Register zum Vorkommen von Krebs zeigte, dass die Prävalenz und Inzidenz für Krebs im Vergleich zu der Gesamtbevölkerung erhöht ist. Vor allem Patienten nach Transplantation sind hier einem erhöhten Risiko ausgesetzt. Die notwendigen immunsuppressiven Therapien nach Transplantation sind sicherlich ein Teil der Erklärung, aber auch der Einfluss von weiteren Faktoren (Alter, Komorbiditäten) muss noch weiter untersucht werden. Aus den Erkenntnissen können dann Verbesserungen für die klinische Versorgung abgeleitet werden, wie Screening- und Vorsorge-Programme oder auch die Einbindung von weiteren Fachärzten in die CF-Versorgung. 

Azithromycin – wann kann eine Therapie beendet werden?

Eine Auswertung der Daten aus dem Europäischen Register beschäftigte sich mit der Azithromycin-Therapie. Azithromycin ist eigentlich ein Antibiotikum, welches aber in der CF-Therapie hauptsächlich als Langzeittherapeutikum bei Patienten mit Pseudomonas aeruginosa wegen seiner anti-entzündlichen Wirkung eingesetzt wird. Die Register-Auswertung hat nun die Lungenfunktionsdaten von Patienten untersucht, die eine Azithromycin-Therapie von mindestens zwei Jahren durchgeführt und anschließend beendet haben. Die Lungenfunktionsdaten wurden mindestens ein Jahr nach Absetzen dieser Therapie weiterverfolgt. Es kam heraus, dass ein Absetzen der Azithromycin-Therapie im Durchschnitt den Abfall der Lungenfunktion (FEV1-Wert) im ersten Jahr nach Beobachtung im Vergleich zum letzten Jahr unter Therapie nicht verschlechtert hat. Bei Patienten, die keine chronische P. aeruginosa-Infektion hatten, konnte man sogar nach Ende der Azithromycin-Therapie einen verlangsamten Abfall der Lungenfunktion sehen im Vergleich zu dem Jahr unter Therapie. Zusammenfassend wurde in dem Vortrag gesagt, dass ein Ende einer Azithromycin-Langzeittherapie in der untersuchten Patientengruppe im Europäischen Register keinen negativen Effekt auf die FEV1 hatte. Für Patienten ohne chronische P. aeruginosa-Infektion wurde von dem Referenten sogar von einem möglichen positiven Effekt gesprochen. 

Ivacaftor verändert das Therapieregime 

Ebenso gab es eine Untersuchung aus dem englischen Register, wo untersucht wurde, inwiefern sich andere Therapien nach Beginn einer Ivacaftor-Therapie verändert haben. Hier wurden Patientendaten im Vergleich zu Kontrollpatienten ohne verfügbare Modulator-Therapie über mehrere Jahre hinsichtlich der Veränderung im Therapie-Regime angeschaut. Die Daten zeigten, dass inhalative Antibiotika, DNAse und hypertone Kochsalzlösung von den Patienten unter Ivacaftor-Therapie von Jahr zu Jahr weniger verwendet wurden. Zukünftige Untersuchungen müssen zeigen, ob dieser langsame Rückgang der o. g. inhalativen Therapien einen Einfluss auf den klinischen Verlauf nimmt.

Biometrische Kunststücke erlauben Prognosen

Es gab auch Vorträge zu Registerauswertungen, bei denen die innovativen Methoden der Auswertung und die damit verbundenen Möglichkeiten eher im Vordergrund standen. So können aus vorhandenen Daten auch zukünftige Daten prognostiziert werden. Von einer englischen Arbeitsgruppe wurden Daten zur Lebenserwartung unter Ivacaftor-Therapie berechnet, indem aus verfügbaren Daten ein Langzeitverlauf geschätzt wurde – der in Richtung verbessertes Überleben zeigte – auch wenn diese Daten real noch gar nicht vorliegen. Ähnlich wurde durch die gleiche Arbeitsgruppe auch die in Zukunft unter Kaftrio-Therapie noch notwendigen intravenösen Antibiotika-Therapien geschätzt. Die Gruppe prophezeit eine Reduktion dieser Therapien um  16% bis 44%. Die Größenordnung der Schwankungsbreite betont noch einmal, dass es sich bei diesen Berechnungen doch eher um biometrische Kunststücke handelt – Real World Daten aus dem Register werden aber sicher bald zeigen, ob sich diese Annahmen bestätigen. 

Dieser Bericht ist Teil unserer Serie über die europäische CF-Konferenz, die vom 9. bis 12. Juni 2021 digital stattfand


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